Dieses Dokument ist der Bericht über ein Arbeitsseminar, das am 4. und 5. September 1982 vom Tomatis-Netzwerk veranstaltet wurde und die Fachleute der verschiedenen audio-psycho-phonologischen Zentren Europas zusammenführte. Das für dieses zentrenübergreifende Treffen gewählte Thema war das Stottern. Das Programm gliederte sich in drei Abschnitte: theoretische Vorträge, eine Reihe von Fallstudien aus den einzelnen Zentren und anschließend eine gemeinsame Zusammenfassung, die den Weg für die Fortsetzung der Arbeiten eröffnete.

Der erste Teil umfasste zwei theoretische Vorträge. M. Baleydier (Zentrum Montbrison) legte die Sichtweise des Logopäden dar, mit einer klinischen Beschreibung der Störungen und Symptome — Unterscheidung der Formen des Stotterns (klonisch, tonisch, Mischformen, Stottern durch Hemmung), Störungen der Artikulation, des Rhythmus, der Lateralität sowie damit verbundene neurovegetative Störungen. Professor Alfred Tomatis stellte anschließend die Sichtweise des Psychologen und Psychoanalytikers vor: historischer Rückblick auf frühere Arbeiten über Stimme und Sprache, die Erfahrung des delayed feedback, der kybernetische Aspekt der Sprache (Begriff der Latenzzeit und Beziehungen zwischen den beiden Hemisphären) und eine psychoanalytische Lesart des Stotterns, verstanden als eine „Chronizität des Stammelns" und angegangen über die Beziehung des Kindes zu seinen Eltern.

Der zweite Teil versammelte elf Fallstudien, die von den Zentren des Netzwerks vorgestellt wurden: Montbrison, Tours, Béthune, Kreuzlingen, Saint-Nazaire, Zürich, Marseille, Genf, Pantin, Paris und Brüssel. Diese klinischen Darstellungen nährten den Austausch über übergreifende Themen — Lateralität und Schrift des Stotternden, Behandlungsmodalitäten, Stellenwert der Psychotherapie und der Entspannungstechniken — sowie über den Beitrag der Tomatis-Methode. Die abschließende Zusammenfassung mündete in konkrete Vorschläge zur Zusammenarbeit: Einsetzung einer Studienkommission zum Stottern, Projekte gemeinsamer Diagnoseraster, vergleichende Analysen (Lateralitätstests, Schriftproben, Stimmaufnahmen vor und nach der Behandlung) sowie die Ankündigung eines Vertiefungstages, der für das nächste Seminar im März 1983 geplant war.

Historischer Kontext — Dieses Seminar veranschaulicht die kollegiale Arbeitsweise des Tomatis-Netzwerks zu Beginn der 1980er Jahre: Zentren aus mehreren europäischen Ländern trafen sich regelmäßig, um ihre Praktiken rund um ein gemeinsames klinisches Thema zu vergleichen und ihre Bewertungsinstrumente zusammenzuführen. Das Stottern, ein Forschungsthema von Tomatis seit den 1950er Jahren, wird hier an der Schnittstelle von Logopädie, Physiologie des Zuhörens und Psychoanalyse behandelt, getreu dem audio-psycho-phonologischen Ansatz. Die erwähnten Fallstudien wurden anonymisiert: Es werden hier keine identifizierenden persönlichen oder klinischen Daten wiedergegeben.