Alfred A. Tomatis — Paris, 1986.

Gerne komme ich der an mich gerichteten Bitte nach, einen Überblick über meine Gedanken zum Autismus zu geben, doch möchte ich von vornherein betonen, dass ich lediglich die positiven Ergebnisse darlegen will, die wir auf diesem Gebiet seit nunmehr einigen Jahrzehnten erzielen. Es gibt gewiss auch Misserfolge, und wir werden versuchen zu ergründen, was sich bei diesen abspielt.

Dieser Versuch hat also nicht zum Ziel, zu bestimmen, was Autismus ist, noch zu umreißen, worin seine Ätiologie bestehen mag.

Wie jeder weiß, ist die Pathogenese des Autismus unklar. Mit großem dialektischem Aufwand nährt sie die Reden von Fachleuten, allzu oft zum Nachteil des Kindes selbst, das mit diesem Syndrom ringt; zum Nachteil auch der Familie, die angesichts eines solchen Problems so schwer geprüft wird. In der Tat werden sämtliche familiären Beziehungsstrukturen durch einen solchen Kontext gestört, verzerrt, auf dramatische Weise desorganisiert.

Dieses Syndrom existiert. Es ist uns gegeben, ihm in unseren Zentren häufig zu begegnen und es nach einer Methodik zu behandeln, die ich nun beschreiben werde.

Ich werde ausschließlich auf der beschreibenden Ebene bleiben, um mit größtmöglicher Objektivität die Ergebnisse darzustellen, die wir erzielen. Man weiß, dass auf einem solchen Gebiet alle Türen offenstehen für sehr eingehende spezifische Forschungen je nach Einzelfall.

Sobald man mit dem Autismus konfrontiert ist, sieht man sich schnell einem vielgestaltigen »Oberbegriff« gegenüber. Es gibt gewiss einen gemeinsamen Stamm, aber auch tausend und ein Detail, die ebenso viele klinische Bilder hervorrufen, wie es autistische Kinder gibt, und die ebenso viele Beziehungsstörungen ans Licht bringen, wie es betroffene Familien gibt.

Es wird hier also nichts gesagt über die Organizität oder Nicht-Organizität dieses Syndroms. Wir werden auch nicht von einem genetischen Faktor sprechen. Es geht uns darum, zum Wesentlichen vorzudringen, indem wir aufzeigen, was wir tun. Was die erzielten positiven oder negativen Ergebnisse betrifft, so ist es danach stets leicht, Hypothesen aufzustellen. Sie werden von Interesse sein, wenn sie zu einer wahrhaft therapeutischen Haltung führen. Geht es aber nur darum, sich an Worten zu berauschen und ausweglose Thesen hervorzubringen, so ist es besser, sich einzugestehen, dass man hinsichtlich des Autismus nichts weiß und dass jeder tut, was er vermag.

Eine Pädagogik des Zuhörens

Unser Wirken entfaltet sich von da an auf der Ebene einer Pädagogik des Zuhörens. Es kümmert uns wenig zu wissen, warum das autistische Kind nicht zuhört. Wir sind nur gewiss, dass es hört — zumindest scheint es uns dies zu beweisen —, dass es aber bewusst sich weigert zuzuhören.

Die Folgen lassen nicht auf sich warten. Indem es sich weigert zuzuhören, das heißt, die Sprache zu integrieren, wird das Kind in einem klanglichen Universum leben, aus dem das Wort ausgeschlossen ist. Eine besonders schmerzliche Lage, ebenso quälend für denjenigen, der von ihr ergriffen ist, wie für die Familie, die sich angesichts dieser Verweigerung jeder Bedeutung höchst hilflos vorfindet.

So lebt der Autist intensiv und paradoxerweise in einer akustisch-klanglichen Welt, in der jede semantische Bedeutung ausgeschaltet, unbekannt ist. Obwohl er eine Fliege fliegen hören kann, ist er nicht imstande, ihren Namen wahrzunehmen, wenn man ihn neben ihm ausspricht. Alles spielt sich hier so ab, als hätte sich eine Spaltung zwischen dem Empfinden und dem Wahrnehmen vollzogen. Das passive Geschehen, jenes, das ihn in Klang getaucht belässt, besteht zuweilen sogar in übermäßigem Maße fort, während der Übergang zur Wachheit, aus der das Bewusstsein hervorgehen würde, sich nicht vollzieht.

Es gibt also, wie man sieht, einen fehlenden Mechanismus; ob er verloren oder nicht gereift oder nicht vorhanden ist — die Tatsache liegt vor. Er ist nicht da.

So werden die autistischen Kinder von tausend und abertausend Reizen bestürmt, doch keiner von ihnen tritt in eine kategoriale Strukturierung ein. Sie hören, aber sie hören nicht zu. Sie haben Augen und sehen nicht. Sie haben einen Mund und sprechen nicht.

Es trifft zu, dass der Autismus auf dieser Ebene weit verbreiteter ist, als man glauben möchte, und die Fälle, die wir hier schildern, sind in Wahrheit nur extreme Fälle.

Das umgebende Universum der autistischen Kinder ist paradox, ohne Verbindung, ohne Synthese im Übergang von einem Ereignis zum anderen. Sie beruhigen sich auf ihre Weise durch einige Stereotypien, die sie auf sich selbst fixieren und ihnen zugleich einen Anschein von verhaltensmäßiger Wirklichkeit verleihen.

Die Welt stellt sich ihnen ohne Einheit, ohne Entwicklung dar. Ihr Sehen besteht aus einer Abfolge auseinanderliegender Momentaufnahmen. Die Klänge erscheinen als sich wiederholende Sequenzen, ohne dass auch nur einer von ihnen einen Bezug zum Wort haben könnte. Würde nämlich ein einziges Wort semantisch wahrgenommen, empfunden, so verschwände das Syndrom.

Es geht nicht darum, wie man leider so oft sieht, ein Kind dazu zu »dressieren«, Worte auszusprechen. Das hat keinerlei Sinn. Und alle erzieherischen Vorgehensweisen, die auf diesem System beruhen, sind zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Sie führen letztlich nur zur Verbalisierung einiger weniger Dutzend Worte, und das nach Monaten oder Jahren der Anstrengung.

Was also tun?

Die Möglichkeit, die wir hatten, eine große Zahl von Autisten zu behandeln, hat uns zu dem Schluss geführt, dass aus einem Grund, den wir nicht unbedingt herauszustellen suchen, der Wunsch zu kommunizieren bei diesen Kindern nicht erwacht ist. Und namentlich der Wunsch, mit der Mutter zu kommunizieren.

Was bedeutet das? Es scheint uns angebracht, hier daran zu erinnern, dass das Ohr ein besonders frühreifes Organ ist, auf das sich der ontologischste aller Wünsche aufpfropft — der Wunsch zu kommunizieren.

Der Mensch ist in der Tat ein im höchsten Maße soziales Wesen, und der Sinn seiner Gemeinschaft mit der Gruppe ist nur denkbar, wenn die Fähigkeit zuzuhören rasch genutzt wird.

Diese Fähigkeit entwickelt sich umso schneller, als das menschliche Ohr als anatomisches Organ schon in den ersten Monaten des intrauterinen Lebens vollendet ist. Der »Embryo-Fötus« ist bereits ein Zuhörender. Und der gesamte neurologische Apparat, der an dieses Organ angefügt ist, ist schon ab dem fünften Monat des fötalen Lebens funktionsfähig. Mehr noch, das auditive Schläfenhirn ist bei der Geburt fertig ausgebildet.

Dieser erstaunliche Vorlauf des Ohres als Organ des Zuhörens lässt verstehen, warum es nicht übertrieben ist zu behaupten, dass der Wunsch zuzuhören der ontologischste Wunsch des Wesens ist.

Dieser Wunsch zuzuhören bestimmt die menschliche Verfassung dessen, der geboren werden wird, denn bereits jetzt knüpft sich seine Kommunikation, indem sie ihm seine Zugehörigkeit zur umgebenden klanglichen Welt offenbart. Fügen wir hinzu, dass das fötale Ohr die Stimme der Mutter bemerkenswert deutlich wahrnimmt. So besteht eine wechselseitige Kommunikation, eine wahre Gemeinschaft zwischen der Mutter und ihrem Kind. Die Mütter wissen das sehr genau. Sie sprechen mit dem Kind, das sie tragen. Sie singen ihm Lieder, sie führen Zwiegespräche mit ihm.

Auf diesem innigen, alltäglichen, beständigen Beziehungsgrund, von dem die allzu viszeralen Geräusche glücklicherweise durch das Filterspiel ausgeschieden werden, das die Hörschnecke durch Unterdrückung der tiefen Töne bewirkt, erlebt der Fötus bereits das Staunen, das vom Rieseln der Stimme seiner Mutter hervorgerufen wird. Dort, und nirgends sonst, beginnt der Wunsch zuzuhören.

Wenn aus irgendeinem unvermuteten Grund dieser Wunsch zuzuhören sich nicht andeutet oder im Keim erstirbt, werden tiefe Störungen der Kommunikation auftreten. Man kennt deren Folgen.

Worin wird dann unser Wirken bestehen?

Es wird darin bestehen, diesen Wunsch zuzuhören zu wecken zu versuchen. Wie werden wir dabei vorgehen?

Wenn es möglich ist, nehmen wir die Stimme der Mutter auf, und wir bereiten diese Stimme auf, indem wir sie filtern, damit sie auf die Weise empfangen wird, wie der Embryo-Fötus sie wahrzunehmen versteht.

Eine ausgefeilte Technik fortschreitender Filterungen hat uns dazu geführt, die verschiedenen Stufen dieser Wahrnehmung im Einzelnen festzulegen. Die so gesammelten und aufbereiteten Botschaften werden sodann auf Tonbandgeräten von hoher professioneller Qualität aufgezeichnet und anschließend in elektronische Komplexe eingespeist, die wir »Elektronische Ohren« nennen.

Diese Vorrichtungen sind Modelle, die so arbeiten wie das menschliche Ohr selbst, wenn es sich entschließt, vom Hören zum Zuhören überzugehen.

In der Tat löst ein Muskelspiel im Mittelohr diese willentliche Entscheidung durch ein Anpassungsspiel aus. So wird die Botschaft, die das Ohr sensibilisiert hat, nicht nur empfunden, sondern auch wahrgenommen, das heißt gewürdigt, entschlüsselt, in ihren verschiedenen Parametern analysiert. Es sind nicht mehr Geräusche, die der Fötus erfasst, sondern die gesamte Dynamik der Rede.

Es ist verblüffend zu sehen, mit welcher Leichtigkeit die autistischen Kinder, die doch so stark dazu neigen, das sprachliche Universum nicht anzunehmen, augenblicklich vom Wunsch ergriffen werden, diese neue Botschaft wahrzunehmen, die geeignet ist, ihnen entweder ein »bereits Erlebtes« in Erinnerung zu rufen (was das Wort »desiderium« etymologisch bedeutet, ich erinnere daran) oder jenen Wunsch zuzuhören erscheinen zu lassen, auf dem sich die Kommunikation aufbauen wird.

Dies mag offenkundig erscheinen, sofern man die Bedeutung des Erwachens der Fähigkeit zuzuhören anerkennt — zweifellos die erstaunlichste der Errungenschaften unter den dynamischen Strukturierungen des Menschen.

Hinzuzufügen ist, dass wir der Mutter, sofern sie es vermag, vorschlagen, Begleitsitzungen abzuhalten, die es ihr ermöglichen, fester Bestandteil des Programms zu werden.

In der Tat, wenn ein autistischer »Einschluss« inmitten einer Familienstruktur sitzt, so ist es die gesamte Beziehungsdynamik, die sich stark gestört vorfindet, da es kein normales Mittel zu kommunizieren gibt. Jedes Eingreifen auf dieser Ebene wird nämlich sogleich blockiert, zurückgewiesen, bisweilen sogar mit besonderer Heftigkeit.

So bitten wir die Familie und ganz besonders die Mutter, die eingewilligt hat, ihre Stimme ihrem Kind zu schenken, sich ebenfalls einer Erziehung des Zuhörens zu unterziehen. Diese Verpflichtung ermöglicht es, jenen ungeheuren Wunsch zuzuhören, auf dem jede Kommunikation ihren Grund findet, wieder aufsteigen zu lassen, ihn aufs Neue zu wecken.

Der Kurs besteht also darin, das Kind die Stimme seiner Mutter auf fötale Weise durch das Elektronische Ohr zuhören zu lassen.

Gewisse Reaktionen offenbaren, dass wir die angestrebte Ebene erreicht haben. Bevor wir auf sie eingehen, sei darauf hingewiesen, dass das Kind die gefilterten mütterlichen Klänge im Allgemeinen mit Begeisterung annimmt, was gewisse Erwachsene, und insbesondere gewisse Fachleute, nur schwer begreifen können. Es trifft zu, dass wir schrittweise vorgehen. Wie, das werden wir später sehen.

Die festgestellten Reaktionen

Unter den festgestellten Reaktionen sind diejenigen des neurovegetativen Lebens im Allgemeinen die ersten, die sich zeigen, und das auf sehr deutliche Weise:

  • der Schlaf wird friedlich, ruhig, während all das, was Störungen durch Albträume erahnen ließ, verschwindet.
  • der Appetit normalisiert sich; das Kind, das zuvor wenig aß, beginnt zu »verschlingen«, während dasjenige, das ein Schlund war, weniger Nahrung verlangt. Tatsächlich sucht das Kind rasch eine Gleichgewichtsstellung.

Halten wir am Rande fest, dass Schlaf und Nahrung für sich allein ein ganzes Geflecht tiefer Kommunikation mit der Mutter darstellen.

Sodann verändern sich viele Dinge auf der Ebene des Verhaltens. Doch hier muss man der Mutter helfen, diese Veränderungen anzunehmen — ihr, die sich seit langer Zeit an atypische, ungewöhnliche Reaktionen ihres Kindes gewöhnt hatte.

  • In der Regel wird es zärtlich mit ihr, sucht den Kontakt, mag es, sich auf ihren Schoß zu setzen, sie zu liebkosen. Es selbst lässt zu, dass sie es berührt. Man muss selbstverständlich schrittweise vorgehen, um nicht zu schnell Errungenschaften auszulösen, die sich in Wahrheit langsam, natürlich, gleichsam von selbst einstellen müssen.

  • Manchmal ist im Gegenteil die Zurückweisung des Kindes gegenüber seiner Mutter ausgeprägter, stärker, ohne dass man die Ursachen versteht und vor allem ohne dass das Kind selbst das Warum kennt.

  • Von Zeit zu Zeit, und dieses Stadium ist wichtig, beginnt der Autist verzweifelt zu weinen. Man muss ihn gewähren lassen. Man muss ihn sich ausweinen lassen, soviel er will. Er weiß nicht, warum er weint, ebenso wenig wie man ein solches Verhalten erklären könnte. Doch das Weinen wird es ihm ermöglichen, einen schmerzhaften Zustand zu überwinden. Er kann stundenlang weinen … ja sogar einen oder zwei Tage lang. Man muss ihn gewähren lassen, darf nicht versuchen, ihn zu trösten. Er tröstet sich selbst, eben durch das Weinen.

Nach dem Sturm und den Tränen erscheinen das Lachen und die Wachheit, sofern die Mutter sie anzunehmen weiß. Das ist nicht immer der Fall. Denn durch ihre verstörende Haltung sind die Autisten zu Objekten ihrer Mutter geworden, die ihrerseits zu ihrer Sache geworden ist. Und das so entstandene Geflecht der Spannung kann verhindern, dass sich die Wiedereingliederung des Kindes in ein normales Leben vollzieht.

Die Rolle des Vaters

Sodann ziehen wir den Vater hinzu. Es genügt, ihm die Rolle zu erklären, die er bei seinem Kind zu spielen hat. Man muss in der Tat sein Wirken gegenüber diesem Kind neu bestimmen, das, so könnte man sagen, niemals das seine war, da es keine Semantik genoss. Denn es ist die Sprache, die bewirkt, dass das Kind zum Sohn seines Vaters wird. Doch eine ganz besondere Sprache, durch die die Information hindurchgehen muss und auf der sich das Gesetz errichten muss.

Der Vater ist nicht derjenige, der schimpft. Er ist derjenige, der erklärt, der das Gesetz verkündet, bis es wahrhaft angenommen ist. Ihm obliegt es, dessen Anwendung zu gewährleisten.

Der Gipfel der Gliederung auf der Ebene der familiären Beziehungsdynamik ist gewiss schwer zu erreichen. Er wird das Kind zunächst dazu führen, seiner Mutter wahrhaft zu begegnen. Es wird wachsen müssen, um sie zu entdecken. Es wird erwachsen werden müssen, um sie zu lieben.

Und es ist keineswegs gesagt, dass im Herzen einer Mutter, die so lange Gefangene eines Fötus geblieben ist, den sie zugleich in sich und außerhalb ihrer trug, dieser Beziehungsdrang Annahme findet.

Will man, dass das Kind ein Werden in Möglichkeit sei, will man also, dass es wächst, so müssen Mutter und Vater ihre jeweiligen Rollen spielen, wobei der Einsatz selbstverständlich das Kind ist. Im vorliegenden Fall bietet die Mutter ihm ihr Herz und der Vater die Sprache. Allein die Mutter hat Anrecht auf die Liebe des Kindes, das sich einem immer erwachseneren Zustand entgegenbewegt, während der Vater sein Wirken im Werden des Kindes verwirklicht sieht.

Worin besteht eine Behandlung der Pädagogik des Zuhörens?

Zunächst wird eine audio-psycho-phonologische Bestandsaufnahme erstellt, um all das zu sammeln, was zuvor getan oder gesagt wurde, und um gegebenenfalls aufzuspüren, was es an Läsionellem, an Psychologischem oder vielleicht an gar nichts gibt …

Sodann schlagen wir folgenden Kurs vor:

Eine erste Behandlung Mutter/Kind wird über vierzehn Tage hinweg unternommen, zu je zwei Stunden pro Tag, das heißt zu je vier Sitzungen pro Tag, wobei jede Sitzung einer halbstündigen Aufnahme entspricht. Diese Behandlung ist in Wahrheit eine Sensibilisierung für das Zuhören und für die Kommunikation, sowohl für die Mutter als auch für das Kind.

Beim Autisten ist es einfach: Er weigert sich, all dem zuzuhören, was sprachlich ist. Doch bei den Eltern können gewisse Anzeichen die beängstigenden Schwierigkeiten verraten, die sie in einem solchen familiären Kontext beständig erleiden.

Wie dem auch sei, es nützt nichts, das Kind zu bessern, es zum Zuhören zu führen, wenn man nicht sicher ist, eine ähnliche Haltung bei der Mutter hervorzurufen. Weigert sich diese, sich auf denselben Weg einzulassen, so steuern wir mit Sicherheit auf den Misserfolg zu, und zwar auf den vollständigen Misserfolg. In diesem Fall übernehmen wir das Kind nicht.

Mutter und Kind kommen also vierzehn Tage lang ins Zentrum, um zuzuhören und einander zuzuhören zu lernen. Der Aufenthalt verläuft im Allgemeinen sehr gut, umso mehr, als gewisse Reaktionen zugleich Beruhigung und Energie hervorrufen.

Während der Behandlung schlummern manche Kinder ein, während andere von einem Furor des Zeichnens oder Schreibens ergriffen werden. Was wichtig zu bemerken ist: Alle, die eingeladen werden, gewisse, auf gleiche Weise aufbereitete Klangsequenzen zu hören, durchlaufen dieselben Thematiken.

Die erste Phase dieses Kurses heißt die »klangliche Rückkehr« und vollzieht sich auf einem mozartschen Musikgrund. Sie führt in Wahrheit vom normalen Hören zum Zuhören der Klänge gemäß der embryo-fötalen Wahrnehmungsweise. Diese kann zuweilen ungewohnt erscheinen und kann deshalb schlecht ertragen werden. Darum ist es besser, diese Vorbereitung mittels der klanglichen Rückkehr vorzunehmen, und das mit Unterscheidungsvermögen und Umsicht. Nach dem Urteil des klinischen Psychologen wird dieses erste Stadium mehr oder weniger lang sein, je nach den Angstelementen, die bei der anfänglichen Bestandsaufnahme gesammelt wurden.

Sodann folgt das Durchtränken mit den fötalen, embryo-fötalen Klängen. Es ist von Vorteil, dieses Durchtränken so lange fortzusetzen, wie man Veränderungen beobachtet, und so lange, wie es vom Kind angenommen wird. Es ist notwendig, auf diesem Grund gefilterter Klänge zu verharren, solange der Wunsch zuzuhören noch nicht herausgebildet ist.

Dieser Wunsch zuzuhören ist in Wahrheit nichts anderes als der Wunsch, geboren zu werden. Das Kind ändert, wie man sieht, vollständig seine Haltung gegenüber seiner Mutter. Es wird neckischer, lauter, doch plappernd. Und so hat man oft die Gelegenheit, der Genese einer Sprache beizuwohnen, die sich herausbildet, durch das »dada-dada«, das Plappern, die »Papa«, die »Mama« und so weiter.

Hier, und hier mehr als anderswo, wird man der Mutter und dem Vater helfen müssen, ihren Wunsch, die Etappen zu überspringen, zu beherrschen.

Der Wunsch zuzuhören ist zerbrechlich, langsam in seiner Strukturierung. Er muss den Wunsch zu kommunizieren wecken. Doch man darf nichts überstürzen oder die Mechanismen der Kristallisation dieses Phänomens beschleunigen wollen. Sobald die Eltern drängen, sobald sie Worte hören, andere wiederholen lassen wollen, laufen sie Gefahr, alles Erworbene zu gefährden.

Es ist zu bemerken, dass jedermann, angesichts eines Säuglings, der sich ins Plappern und dann in die Sprache zu versenken wünscht, diese Tatsache mit Achtung betrachtet. Jedermann ist voller Bewunderung. Gegenüber dem Autisten hingegen oder dem Kind, das in einen Weg der Verweigerung oder der Verzögerung geraten ist, hört man nicht auf, es zu necken, es um Wiederholungen zu bitten. Man bedrängt es, um es wie ein Zirkustier reagieren zu sehen.

Nun aber, in diesem Falle, gewinnt das Tier! Wenn das Kind diese ganze verzerrte Dynamik erahnt, lässt es sich auf dieses Spiel nicht ein. Und es ist das Kind, das willentlich die ganze Familie unterjochen wird, indem es die Worte fallen lässt, die es will, wann es will, oder indem es sich des Sprechens enthält und sich weigert zu tun, was man von ihm verlangt.

Das Kind gewinnt dieses Spiel. Das ist wahr. Doch es stirbt aufs Neue dem Wunsch zu kommunizieren.

Was man mit einem Autisten tun muss, der zu sprechen zu wünschen beginnt, ist, schweigend und mit Liebe alle seine Äußerungen zu sammeln, seine Fortschritte festzuhalten, die Bilanz seiner Errungenschaften zu ziehen.

Der Anfang ist das Schwierigste. Danach gibt es eine Beschleunigung. In dem Maße, wie die Sprache sich entzündet, erscheint die Wachheit. Der Blick wird ausdrucksvoll. Die Worte beginnen aufeinanderzufolgen, und später kommen die Sätze.

So verläuft der Ablauf einer Behandlung während der ersten vierzehn Tage. Sodann beobachtet man drei bis sechs Wochen Ruhe. Man kann in Wahrheit nicht schneller voranschreiten als das Nervensystem, das an diesem ganzen Vorgang beteiligt ist.

Die zweite Serie, die ihrerseits acht Tage dauert, vollzieht sich im fötalen Hören. Sodann bitten wir, je nach den Reaktionen und Ergebnissen, im Takt von acht Tagen alle sechs, acht oder zehn Wochen fortzufahren, bis die Sprache normal strukturiert ist. Während dieser aufeinanderfolgenden Serien werden neue Phasen durchschritten in Form einer klanglichen Geburt, einer Vorsprache mit Liedern und Reimen, mozartscher Musik, gregorianischen Melodien. Dann erscheint die letzte Etappe, jene der Sprache.

Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass, wenn die Einrichtung, in der sich das Kind befindet, kooperativ ist, alles ungemein erleichtert wird und sich schneller vollzieht.

Die Ergebnisse

Wenn sie positiv sind, ermöglichen sie es dem Kind, sich zu normalisieren. Die Arbeit ist umso leichter, je jünger das Kind ist, das versteht sich.

Doch was gewiss ist: In den Fällen, die wir positiv nennen, erzielen wir eine Wiederherstellung des Wunsches zuzuhören und zu kommunizieren, zugleich mit einer Verbesserung der Sprache in dem Maße, wie man in der Behandlung voranschreitet. Diese Fälle liegen in der Größenordnung von 40 bis 60 %. Es gibt Misserfolge, mindestens 40 %, ohne dass man oft wüsste, warum. In der Tat geben uns gewisse Bestandsaufnahmen die Gewissheit eines leichten Verlaufs, während die Fortsetzung sich als weit komplexer und länger erweist. Andere Male brechen wir pessimistisch auf, im Glauben, wir unternähmen die Behandlung nur versuchsweise, und die Antworten erweisen sich als gut.

Eben hier müssen wir uns eingestehen, dass wir machtlos sind, die Tiefe der »Läsion« — sei sie affektiv oder nicht — zu erkennen, die jenen berüchtigten Bruch des Zuhörens oder das Nicht-Erblühen dieser Fähigkeit veranlasst hat, was auf dasselbe hinausläuft. Dennoch sind wir in keinem Fall befugt, uns als geschlagen oder machtlos zu betrachten. So sind wir stets geneigt, einen Vorgang unter dem Elektronischen Ohr zu beginnen zu versuchen, um die Reaktionen des Kindes zu erkennen.

Es liegt auf der Hand, dass diese Behandlungen Nachteile haben, gewichtige Nachteile. Sie sind kostspielig und häufig.

  • Kostspielig durch den Einsatz eines beträchtlichen elektronischen Materials und qualifizierten Personals.
  • Kostspielig durch die Notwendigkeit eines Aufenthalts bei einem spezialisierten Zentrum.
  • Kostspielig auch, weil sie noch nicht in die Behandlungen einer institutionellen Therapie eingegliedert sind, die alles übernehmen könnte.

In der Tat, für die Eltern hat es schon an sich eine gewisse Wirkung, sich in einem Zentrum vorzustellen, eine solche Verpflichtung einzugehen, den Einsatz einer gesamten Familiendynamik anzunehmen. Überdies hat der in einer Einrichtung erlebte gewohnheitsmäßige Trott nichts gemein mit all dem, was die aufwertende Umgebung bildet, die dem Kind im Laufe einer Behandlung in einem Zentrum zugutekommt.

Es trifft auch zu, dass diese neue Technik die Anwesenheit eines qualifizierten Personals verlangt, das bereit ist, sich gänzlich in die Ethik einer solchen Methode einzubringen. Diese gibt im Übrigen nur deshalb so positive Ergebnisse, weil im Innern des Zentrums selbst, in dem sie angewandt wird, alle Mitglieder des Teams in einer einzigen, ein und derselben Richtung arbeiten.

Nicht jeder tut, was ihm beliebt, in dem Augenblick, in dem es ihm gut zu sein scheint, es zu tun. Alles ist auf das Zuhören ausgerichtet, auf die Anforderungen, die dieses mit sich bringt.

Man tritt nicht in die Dynamik des Zuhörens ein, wie man schlendernd durch einen Gang spaziert.

Es geht darum, sich dessen anzunehmen, der in Schwierigkeiten ist und der an die Tür klopft. Es geht darum zu wissen, dass er existiert und dass er ist. Es geht darum, sich vom verfeinerten Bewusstsein durchdringen zu lassen, dass man der menschlichen Gemeinschaft angehört.

In den Bereich des Zuhörens einzutreten stellt eine wahrhaft menschliche Verpflichtung dar, denn es führt von der existenziellen Ebene zur Ebene des Wesens.

Alfred Tomatis

Quelle: Alfred A. Tomatis, »Information über den Autismus«, Paris, 1986. Transkription nach dem Faksimile.