Betrachtungen zum Hörtest
A. A. Tomatis zugeschriebener Text, veröffentlicht von der Société d’Audio-Psycho-Phonologie (Amiens) im Juni 1974. Er versammelt Äußerungen, die bei Professor Tomatis anlässlich des III. Internationalen Kongresses für Audio-Psycho-Phonologie (Antwerpen, 1973) gesammelt wurden, in Form eines Vortrags, gefolgt von einer Reihe von Fragen und Antworten. Das Dokument verweist auf seine Werke « Éducation et Dyslexie » und « L’Oreille et le Langage ».
Dieses Dokument stellt den Hörtest als die zentrale Prüfung der audio-psycho-phonologischen Bestandsaufnahme dar. Tomatis unterscheidet zunächst die vier erhobenen Parameter: Suche der Schwellen in Luft- und Knochenleitung, Untersuchung der Räumlichkeit der Töne, Untersuchung der Selektivität (Fähigkeit, eine Frequenzveränderung wahrzunehmen und zu verorten) und Messung der Lateralität mittels des Audio-Laterometers. Er besteht vor allem auf dem Unterschied zwischen hören und zuhören: Das Audiogramm misst ein Hörvermögen, während der Hörtest das Verlangen und die Fähigkeit des Subjekts offenbart, sich seines Ohres zu bedienen, um zu kommunizieren. Er beschreibt eine in den Mitteltönen aufsteigende „ideale Kurve", legt die jedem Ohr (rechts/Vater, links/Mutter) und den Frequenzzonen (Körper, Sprache, Spiritualität) zugeschriebene symbolische Bedeutung dar und beschreibt sodann im Einzelnen die Auslegung der Luftkurve (Hören des anderen) und der Knochenkurve (Selbsthören). Das Gespräch behandelt schließlich die Schwerhörigkeiten organischen Ursprungs (Schallleitung, Schallempfindung, gemischt) und psychologischen Ursprungs sowie die Hörhaltung und die Umschulung unter dem Elektronischen Ohr.
Historischer Kontext — Der Hörtest ist das grundlegende diagnostische Werkzeug der von Alfred Tomatis (1920–2001), HNO-Arzt, ausgearbeiteten Audio-Psycho-Phonologie. Entworfen, um nicht das reine Hörvermögen, sondern die „Hörhaltung" des Subjekts zu bewerten, leitet er die Umschulung durch klangliche Filterung und durch das Elektronische Ohr. Dieser Text von 1974 zeugt von der klinischen Dimension, aber auch von den der Methode eigenen psycho-symbolischen Auslegungen, die der medizinischen Standardaudiologie fremd bleiben.