Association Française d’Audio-Psycho-Phonologie (Amiens). Vortrag von Doktor Jean Raynaud, Neuropsychiater in Dax, gehalten anlässlich der Journées Rencontre von Pau, am 7. und 8. Juli 1979.

Raynaud betrachtet die Lateralität nicht als eine bloße Handpräferenz, sondern als ein umfassendes Phänomen, das den gesamten Körper, die Sinnesorgane und die Hirnhemisphären einbezieht. Er räumt dem Ohr eine vorrangige Rolle ein: schon im intrauterinen Leben funktionelles Organ, sichert es die Kontrolle der Stimme durch die von Tomatis aufgezeigte audio-phonatorische Schleife. Jedem Ohr entspricht ein gekreuzter Kreislauf, der auf eine Hemisphäre verweist, und das Vorherrschen eines Kreislaufs steuert die Sprache. Die Praxis der Kuren unter dem elektronischen Ohr zeigt, dass man durch die Bevorzugung des rechten audio-phonatorischen Kreislaufs beim Stotterer oder Linkshänder beachtliche Verbesserungen der Sprache erzielt, mitunter eine spontane Wiederharmonisierung der Handlateralität. Im Anschluss an Mesker, Jousse und Jakobson vertritt der Verfasser die Auffassung, dass das, was „lateralisiert", vor allem die durch die rhythmisch-melodische Stimme der Mutter übermittelte Sprache der Welt ist. Die Störungen — Stottern, Legasthenie, funktionelles Schielen, Verzögerungen — werden als Anomalien der Lateralität und der symbolischen Funktion neu gelesen, die einen personalisierten Ansatz statt eines rein nosographischen verlangen.

Historischer Kontext — Die auditive Lateralität, oder das „führende Ohr", bildet eine der Säulen der von Alfred Tomatis ausgearbeiteten Audio-Psycho-Phonologie: Das Hören, und nicht das bloße Hörvermögen, bestimmt die Lautbildung und den Zugang zur Sprache. Dieser Vortrag von 1979 veranschaulicht die Verbreitung dieser Thesen innerhalb der frankophonen Berufsverbände, im Dialog mit der Neuropsychologie der Zeit (Hécaen, Kimura, Witelson).