Dieses Zeugnis stammt aus dem 11. Kapitel, „Das Hören im subjektiven Präsens“, von La Clef des Sons — éléments de psychosonique von Dr. Bernard Auriol (Éditions Érès, 1991), hier mit seiner freundlichen Genehmigung wiedergegeben. Arzt und Psychoanalytiker, ist Bernard Auriol einer der Schüler und Fortführer Alfred Tomatis’. Der Fall veranschaulicht in der ersten Person einen zentralen Gedanken der Audio-Psycho-Phonologie: man kann den Klang erleiden, ohne ihm zuzuhören, und die Stimme der Mutter — „gefiltert“ gehört, wie vor der Geburt — kann wieder öffnen, was sich verschlossen hatte. „Daouba“ ist ein angenommener Name; ihre Worte sind so wiedergegeben, wie sie sie in der Sitzung ausgesprochen hat.


„Diesen Lärm, den ich unerträglich finde, fühle ich mich innerlich gezwungen, ihm zuzuhören.“

Kurz gefasst — Daouba, 38-jährige Lehrerin, erträgt den Lärm nicht mehr. Schlaflos, ständig auf der Hut, flieht sie aus ihrer eigenen Wohnung. Doch unter der akustischen Klage taucht eine andere Geschichte auf: eine Kindheit, geprägt von Mittelohrentzündungen, von einer „erdrückenden“ Mutter, die „weder Lärm noch Geschrei ertrug“, und vom Gefühl, „immer beurteilt“ zu werden. Im Verlauf einer sonischen Kur, in der sie die Stimme ihrer Mutter gefiltert wieder hört, entdeckt Daouba, dass ihr Krieg gegen den Lärm in Wahrheit ein Krieg mit eben dieser Stimme war.

„Mit Leib und mit Schreien“

Daouba verknüpft ihr Leiden von vornherein mit ihrer Geschichte: „Mit 2 Jahren hatte ich sehr schwere Ohrenprobleme: Mittelohrentzündung und Mastoiditis. Ich war Legasthenikerin. Ich lispelte, und ein Lehrer machte sich über mich lustig.“ Dann: „Als ich 7 oder 8 war, wurde meine Mutter zänkisch und begann, mir Angst zu machen. Wenn ich an sie denke, denke ich an Strenge, an moralische Pflicht, an Gut und Böse.“ Der Lärm wiederum tritt in der Jugend auf: „Er begann mich im ersten Jahr der weiterführenden Schule zu stören; ich war 12.“

Verheerende Klänge

Die Unverträglichkeit ist keine bloße Belästigung: sie ist ein Einbruch. „Diesen Lärm, den ich unerträglich finde, fühle ich mich innerlich gezwungen, ihm zuzuhören: ich bremse meine Gesten, ich unterbinde meinen Ausdruck. Ich bin verängstigt.“ Und dieses eindringliche Bild: „Bei mir zu Hause bin ich wie der Vogel im Käfig, mit dem Eindruck, dass die Gitterstäbe des Käfigs der Lärm sind.“

Ein entscheidendes Detail — und ein sehr tomatissches: der Lärm verfolgt sie nicht überall. „Von dem Moment an, in dem sich eine Beziehung zwischen jemandem und mir herstellt, erscheinen mir die Geräusche annehmbar. Wenn ich allein bin, sind sie mir unerträglich.“ Der Klang ist nur dort unerträglich, wo das Band fehlt.

Der Lärm im reinen Zustand

Der Therapeut bittet sie, die Augen zu schließen: sogleich wird der Lärm zum Körper. „Die Hammerschläge — ich bin es, die sie empfängt… Die Schritte, es ist, als würde man auf mir gehen. Man tritt mich nieder, man foltert mich. Es ist ein Kampf, in dem ich die Schwächere bin.“ Und das Geständnis, das alles kippen lässt: „Ich habe das Gefühl, wehrlos zu sein, und dass sie mich durchdringen wie Wasser, wie die Wellen des Meeres, die über dem Sand reinen Tisch machen würden.“

„Es ist die Schuld meiner Mutter“

Der Faden spannt sich. „Es ist meine immerwährende Angst vor den anderen, die sich in die Angst vor dem Lärm übersetzt.“ Dann, ohne Umschweife: „Den Lärm, der mich stört, verbinde ich mit der Gegenwart meiner Mutter. Ich habe dann den Eindruck, erdrückt, vernichtet zu sein, nicht mehr denken zu können. Der Lärm stört mich nur bei mir zu Hause, und er ist immer, symbolisch, mit meiner Mutter verbunden.“ Sie erinnert sich: ihre Mutter „ertrug weder Lärm noch Geschrei; man musste alles ganz leise tun. Ich hatte große Angst vor ihren Wutanfällen.“

Die gefilterte Stimme — eine „sonische Geburt“

Dann kommt der Kern der Arbeit. Daouba durchläuft eine sonische Kur mit der aufgenommenen Stimme ihrer Mutter, durch den Hochfrequenzfilter geleitet — die Stimme, wie das Ohr sie vor der Geburt wahrnimmt. Am Tag dessen, was Auriol die „sonische Geburt“ nennt, schreibt sie: „Ich nehme sie als Mutter wahr, durch die gefilterte Stimme: ein sanftes Empfinden, ein angenehmes Wohlbefinden. Sobald die Stimme aufhört, gefiltert zu sein, erhebt sich vor mir das Gespenst des moralischen Zwangs und der Kultur.“ Dieselbe Stimme, je nachdem, ob sie gefiltert ist oder nicht, beschwichtigt oder erdrückt — ein Beweis in der Tat, dass nicht der Klang verletzt, sondern das, was er trägt.

Daouba vermerkt auch eine Verbindung, die Tomatis nicht verleugnet hätte, zwischen dem Kiefer, dem Hören und dem Verstehen: „Wenn ich Spannungen im Kiefer habe, verstehe ich nichts von einer afrikanischen Sprache, die ich doch gut gelernt habe. Wenn ich loslasse, höre ich sie besser.“

„Pst!“

Der Therapeut bemerkt schließlich den Klang ihrer Stimme — klagend, „als würde sie immer gescholten“. Daouba stimmt zu: „Ich weiß, dass meine Stimme zeitweise unhörbar ist. Die meiner Tochter auch. Ich habe das Empfinden, immer beurteilt zu werden. Diese Stimme steht in Verbindung mit meiner Mutter und ihrer erdrückenden Erziehung.“ Der Kreis schließt sich: das Ohr, das sich dem Lärm verschließt, die Stimme, die erlischt, die Angst vor dem anderen — ein und dieselbe Geschichte, in der der Klang nur der Bote war.


Originaltext: Bernard Auriol, La Clef des Sons — éléments de psychosonique, Érès, 1991, Kap. 11. Vollständig zu lesen auf der Website des Autors. Zum selben Gedanken bei Tomatis — die gefilterte Mutterstimme und das vorgeburtliche Hören — siehe auch Le Musée und die Vorträge der Archives.